gestern bei gulli: ein artikel über netlabels mit dem titel ‘miete zahlen mit eigener musik?‘ der mal wieder das leidige thema geldverdienen mit netlabels anschneidet. das scheint seit kurzem mal wieder in die diskussion zu kommen, vielleicht angestossen durch mo.´s artikelserie über marketing und promotionthemen. grundtenor des artikels: die ganze netlabelszene träumt von nichts anderem als nun endlich mal für ihren idealismus belohnt zu werden und zwar nicht nur mit ‘probs’ im sinne der aufmerksamkeitsökonomie (®: mo. sauer) und respekt-ökonomie (®: lobo/ friebe) sondern nun auch mal in cash bzw. prallen paypal konten. dann kann man auch endlich die langersehnte familie gründen und den baum pflanzen.
kunst als selbstzweck
nein, ich habe wirklich nichts gegen familien und bäume, jedenfalls nicht generell und bin dem schnöden mammon jetzt auch nicht völlig abgeneigt (medizinisch schon, aber das ist ‘ne ganz andere geschichte) aber spricht in der ganzen diskussion noch irgendwer davon, warum wir alle (ich bin ein optimist) mal mit dem ganzen scheiss angefangen haben? wie war das nochmal mit der liebe zur musik und der freude am teilen? es soll angeblich wirklich noch ein paar wenige geben, die einfach nur spass daran haben musik, die sie berührt und glücklich macht, einer maximalen anzahl von interessierten zugänglich zu machen und auch soll man von musikern gehört haben, die musik um ihrer selbst willen machen und nicht als reine erwerbstätigkeit. ist das nicht überhaupt die basis jeder kunst, oder sollte es das zumindest sein?
businessplan oder tod
die stimmen der letzten tage klingen so, als ob eine schlüssige vermarktungsstrategie, ein universeller businessplan für netlabels quasi, die einzige chance sei, die netlabelszene vor dem verderben zu retten. hmm? bisher sind wir doch auch ganz gut ohne businessconsultants ausgekommen, oder? woher auf einmal diese panik? sind da etwa kürzlich einige 30 geworden oder haben ihr diplom gemacht? gute anlässe für eltern zu fordern, jetzt doch endlich mal was anständiges aus seinem leben zu machen und sich die idealistischen flausen aus dem kopf zu schlagen. und jetzt kommt mir nicht mit dem märchen der betriebskosten eines netlabels die ja bezahlt werden müssen. die webhosting typen bekommen 14,99€ pro monat und einmal im jahr gönnen wir uns ‘nen stapel sticker und vielleicht noch buttons für´n fuffi… es gibt eine ganze menge leute, die monatlich ein vielfaches für fluppen oder ein bundesliga abo bei premiere zahlen und von denen fordert auch keiner, endlich mal mit dem rauchen seinen lebensunterhalt verdienen zu können.
relativieren 500
schon klar, ich übertreibe maßlos und will eine sinnvolle professionalisierung des einen oder anderen netlabels auch wirklich nicht verteufeln. wenn einer die zauberformel der netlabel vermarktung gefunden hat, immer her damit. bevor ich unsere website und unsere besucher allerdings mit ‘gratis: heiße videos‘ bannern und obskuren, im artikel verwursteten, werbelinks beglücke bleibe ich doch lieber mit voller überzeugung und im besten sinne des wortes amateur.
besserwissen 2000
kleine klugscheißerei zum abschluß: ‘urlaub auf balkonien‘ ist weniger dem autor ‘krill’, sondern vielmehr dem projekt ‘krill.minima‘ und somit dem autor martin juhls zuzuschreiben, welcher aber auch das denkbar schlechteste beispiel für die folgenlosigkeit eines netlabelreleases ist. wirbt er damit doch als einer der wenigen nicht nur für seinen guten namen sondern gleichzeitig für seine kommerziellen veröffentlichungen z.b. bei cco oder genesungswerk. die platte ist nebenbei bemerkt wirklich mal wieder ein ziemliches meisterwerk und ich möchte annehmen, daß die produktion weit mehr als ‘mindestens das zehnfache‘ seiner spieldauer benötigt hat.
note: ich finde phlow.net super und mag auch gulli.com …ist also bestimmt nichts persönliches





witzig. da scheine ich ja etwas angestoßen zu haben. lars bezieht sich ja bei gulli auf meinen artikel und jetzt auch du. ok, ich möchte das noch einmal kurz erläutern.
mir ist schon klar, dass das viele für die liebe zur musik machen. aber mit mehr geld, könntest du diese liebe noch mehr professionalisieren und die künstler noch mehr pushen. und das wäre sicherlich auch in deinem sinne.
du könntest ja sämtliche einnahmen wieder in neue projekte investieren. mehr videos, werbung auf anderen websites schalten, noch mehr merchandise kram, vielleicht mal eine 12rec dvd und so weiter.
also, wenn du mehr geld hättest, könntest du noch mehr erreichen. das wäre auch ein anreiz mit netlabel musik geld zu verdienen.
und wer nicht will, muss ja auch nicht. das ist der falsche schluss, den man aus dem artikel ziehen sollte
jedem seine freiheit, cheers, mo.
1. Ich wusste gar nicht, dass es das hier gibt.
2. Ächz. Die Diskussion kenne ich ja jetzt wirklich bis zum Erbrechen rund um Weblogs herum. Deshalb: ja, genau, fertig.
3. Ernsthafter: wer versuchen will, mit seiner Musik oder seinen Texten oder seiner Häkelarbeit Geld zu verdienen soll nur. Das einzige was mich dann daran nervt ist höchstens, wie das Diskussionen besetzt und Bilder prägt, was dann gute Musik / Weblogs / Häkelarbeiten zu sein haben, die dann eben doch mit Verkaufserfolgen zu tun hat oder sich danach ausrichtet. Ich mein, Mo hat mir ja z. B. auch mal, als wir uns begegnet sind, gefragt, was denn meine Motivationen des Podcastens usw. seien. Das rein Hobbyistische daran schien ihm eher erstaunlich, war mein Eindruck.
„Hobbyistisch“ ist ein gutes Stichwort.
Ich glaube daß man ursprünglich zwei Motivationen unterscheiden kann:
1. Vertrieb als Hobby (definiert als eine unentgeltliche Tätigkeit aus Leidenschaft) und
2. Vertrieb als Job (ob mit oder ohne Leidenschaft betrieben wird ist sekundär; der Vertrieb ist ein Job sobald Gewinn erwirtschaftet wird)
Ein Netlabel ist ein Label welches Vertrieb „früher“ als Hobby ansah weil dies ja das primäre Unterscheidungsmerkmal zum kommerziellen Plattenlabel ist.
„Später“ gibt es:
1. einige die Vertrieb als reines Hobby ansehen
2. einige die Vertrieb als Job machen wollen
3. einige Vertrieb jetzt noch Hobby machen aber eigentlich doch denken daß es ein Job werden kann
4. einige die mit 2.) keinen Erfolg hatten und dann wieder zu 1.) gewechselt sind
Warum irritiert jetzt die Position „ewiges Hobby“ ?
Es irritiert ja offensichtlich nicht jeden sondern nur manche. Weil z.B. ein „mo.“ selbst einer Tätigkeit ausübt (Journalismus) indem er von „Hobby“ auf „Job“ wechseln möchte. Und das, weil ein Mensch zumindest ein kommerzielles Standbein braucht um nicht zu verhungern. Wenn ein Labelbetreiber jetzt aber ein anderes kommerzielles Standbein hat, braucht er den Vertrieb als Job nicht, dass Gefühl dass er sich selbst gibt, reicht. Was dann eben das Unverständnis und die Irritation erzeugt verschiebt sich dann auf die einfachen Imperativ: „Wieso versucht nicht jedes individuum sein Hobby zum Beruf zu machen?“ Aber dieser ist wie jeder Imperativ eine normative Setzung und somit frei wählbar.
Soviel zur Motivation. Ein unübersichtlicheres Problem ist die Migration derjenigen Vertriebstechniken, welche die Netlabels sich selbst erarbeitet zu haben glauben, zur Musikindustrie; oder besser: die Assimilierung derjenigen Techniken, die in den Augen der Musikindustrie für das erfolgreiches Marketing von CC-oder No-Rights-Künstlern durch „das Netz“ am Werk ist. Und die man analysieren und kapern muss „damit einem potentiell gewinnbringende Künstler nicht durch die Lappen gehen“.
Es wird eine Annäherung geben zwischen sich kommerzialisierenden Netlabels und sich als „Free“-tarnenden Major-Label-Tochterfirmen (bis zur Unkenntlichkeit).
Was bleibt?
1. Nicht-kommerzielle Labels die Vertrieb als Hobby machen.
2. Kommerzielle Labels die Vertrieb als Job machen.
Nanu, es hat sich ja gar nichts verändert?
Die Vertriebstechniken ändern sich und die Größen der (Tochter)Firmen – die ursprünglichen Motivationen aber bleiben.
Ich schmeiss jetzt meinen Job und mach nun alles als Beruf(ung). So.
…und ich entziehe mich schonmal vorab jeder verantwortung für die daraus resultierenden folgen!
Was dann eben das Unverständnis und die Irritation erzeugt verschiebt sich dann auf die einfachen Imperativ: “Wieso versucht nicht jedes individuum sein Hobby zum Beruf zu machen?” Aber dieser ist wie jeder Imperativ eine normative Setzung und somit frei wählbar. ?????????
- so ein Blödsinn
Versteckt sich jetzt der Imperativ in der Frage? Echt, dass ist nur ein Beispiel von dem was ich hier lese und hier wird auch nur herumpalavert.
hobbyphilosophen!